Alpenverein Freistadt - Wir geben Dir Berge!

Tourenbericht
Skitourenfinale
Großvenediger

Asolo North


  Zum offiziellen Skitourenfinale auf den Großvenediger (es soll ja welche geben, die sich sogar noch Ende Mai eine schattige Firnrinne suchen) hier ein paar Eckdaten:

Letzten Donnerstag wurde das Obersulzbachtal bis zurück zur Materialseilbahn vom Schnee geräumt, am Freitag das Untersulzbachtal (bis Stockeralm, 1.280m, bis max. dorthin kann man mit Ski fahren).

(weitere Infos siehe unten)
Großvenediger (3.674m) im Nationalpark Hohe Tauern: Man kann es kaum glauben, aber die Erstbesteiger (oder Erstbefahrer) des Venedigers hatten trotz ihrer unvergleichlichen Ausrüstung einen Spaß an der Sache, als hätten sie einen Carvingski unter ihren Füßen: "Ein Genuß war es, in langen Kehren und Schlangenwindungen über die obersten Firnbecken des Schlatenkeeses zu Thal zu fahren. Doch 'Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zutheil, rasch brach die Finsternis herein ...'.
Datum: Samstag, 12. Mai 2001/Sonntag, 13. Mai 2001
Treffpunkt: Samstag, 12. Mai 2001: 5.00 Uhr bei der Raika-Neumarkt, andere Treffpunkte nach Vereinbarung
Tourenziel: Skitour Großvenediger (3.674m) im Nationalpark Hohe Tauern
Ablauf Samstag: Anreise nach Neukirchen am Großvenediger (857m) bis zum Parkplatz Hopffeldboden (1.080m).
Aufstieg im Obersulzbachtal über die Postalm zur Kürsinger Hütte (2.558m), 1.500 Hm, 4-5 Stunden, bei Bedarf wird ein Taxi organisiert, welches uns bis zur Materialseilbahn (ca. 1.960m) bringen kann, von dort sind es noch knapp 2 Std. zur Kürsinger Hütte (Übernachtung).
Hinweis: Muttertag nicht vergessen (Frühstück ans Bett bzw. Lager...) 8-)

Wenn noch Zeit bleibt, Eingehtour auf den Keeskogel (3.291m), 750 Hm, 2 Stunden
Ablauf Sonntag: Skitour auf den Großvenediger (3.674m), 1.200 Hm, bei guten Verhältnissen 4 Stunden, Abfahrt über die herrlichen Tiefschneehänge
des Untersulzbachtales, hier allerdings langer Fußmarsch bis Neukirchen, event. wird im Obersulzbachtal abgefahren
Führung: Thomas Pflügl
Telefon:  0 79 47 - 71393
e-mail: thomas.pfluegl@aon.at
Schwierigkeitsgrad:
Kondition:
Hinweise: Harscheisen nicht vergessen
komplette Hochtouren- und Gletscherausrüstung erforderlich (Brust- und Sitzgurt, Schraubkarabiner,
Reepschnüre, Pickel, Steigeisen, Seil wenn vorhanden)
Lawinenpieps (457 kHz) und Lawinenschaufel vorgeschrieben
Kartenmaterial: Alpenvereinskarte Nr. 36, Österreichische Karte Nr. 152 (ÖK 25 V)
Anmeldung: auch via e-mail oder online möglich
Alternative: Wir denken nicht nur an uns:
Wer nicht mitgeht und es in einer Sekunde von 0 auf 100 schafft (allerdings nur auf der Waage...), könnte beim 6. Eybl-Plus City Lauf teilnehmen.
Es sind gut 8 km, Start (und hoffentlich auch Ziel): Samstag, 12. Mai, 10:00.

Unten noch ein Höhenprofil und geschichtliches zur Besteigung des Großvenedigers.

Schöne Grüße,
Thomas Pflügl


Hier das Höhenprofil des Venedigermassivs - die größte zusammenhängende Gletscherfläche der Ostalpen:
Für Geographie- oder GPS-Fetischisten: Die Koordinaten Kürsinger Hütte, graphisch ermittelt, WGS 84

Geographische Breite

 47° 7,364 

Geographische Länge

 12° 17,996 

UTM x

 5222340 

UTM y

 295202 

Bezugsmeridian

 15°


Zur Erstbesteigung des Großvenedigers

"Bei einer Gesellschaft von 40 Personen während eines Wegen von neuen Stunden auf dem obersten Schneefelde hin und zurück zeigten sich nur neunmal die Spuren der Harnexcretion." Aus dieser Beobachtung bei der Erstbesteigung des Großvenedigers 1841 schloß der Arzt Franz Spitaler, daß in Höhen über 3.000 Meter wegen "unmerklicher Transpiration" die "Sekretion der Nieren auffallend vermindert" wird. Der Expeditionsarzt - übrigens der erste in der Alpingeschichte - ahnte damals wohl selbst nicht, daß er eine der entscheidenden Fragen der - noch nicht existenten - Höhenmedizin thematisiert hatte. Diese und andere Geschichten rund um die Erstbesteigung des höchsten Berges Salzburgs hat der Salzburger Journalist, Autor und Bergsteiger Clemens M. Hutter für seinen Vortrag zusammengetragen. Der Fotograf des Nationalparks und der Alpinfotograf Dr. Wolfgang Retter hat der hervorragenden Bilder zu den Bänden von Clemens M. Hutter gemacht, die auch im Vortrag zu sehen sind. Übrigens: Die Frage, ob man vom Gipfel tatsächlich bis nach Venedig sehen kann, wurde 1841 wegen dichten Nebels nicht geklärt. 


Der Großvenediger - Ein Berg mit Geschichte

Nur Venedig kann man nicht sehen ...

Wer jemals nur auf der Rotwand in den Bayerischen Voralpen beim Wandern, oder in den Kitzbüheler Bergen beim Skifahren war, der weiß, daß das Panorama dieser Gegenden geprägt ist von einer weiß leuchtenden Pyramide im Süden, von einem Berg, der nicht nur auf Grund seiner Höhe, sondern vor allem ob seiner Formschönheit die Blicke auf sich zieht. Es ist der vierthöchste Gipfel Österreichs, es ist der 3.667 Meter hohe Großvenediger.

Die Venedigergruppe eignet sich unter allen Gruppen der Hohen Tauern am meisten für die Ausübung des hochalpinen Schneeschuhlaufes. Die Gletscherfahrten in ihrem Bereich brauchen auch einen Vergleich mit den vielgerühmten Winterhochtouren in den Oetztaler- und Stubaier Alpen nicht zu scheuen. Wie bei den meisten Fahrten im winterlichen Hochgebirge ist mit dem Erreichen der Schutzhütten meist das schwierigste Stück der Tour zurückgelegt", so Franz Tursky 1924 in seinem "Führer durch die Venedigergruppe".

Auch gemessen an den Ansprüchen der heutigen Skitouristen hat dieses Urteil Turskys immer noch Gültigkeit. Die Paradetour auf den Großvenediger hat nur einen Schönheitsfehler. Es ist der wirklich lange, jedoch landschaftlich überaus reizvolle Zustieg zur Hütte.

Viele Wege führen auf den Großvenediger, doch alle haben eines gemeinsam: sie ziehen sich gewaltig in die Länge, sind also nur etwas für standfeste Skibergsteiger. Doch so ein Gipfelerlebnis will halt auch verdient sein.

Von Norden, von Süden und von Osten führen die gängigen Skirouten auf diesen herrlichen Dreitausender. Der Weg von Osten her beginnt gleich nach dem Felbertauerntunnel beim Matreier Tauernhaus. Und während man sich hier am Parkplatz für diese Zweitagestour rüstet, Brotzeit, Seil, Anorak im Rucksack verstaut, kommt die Frage auf, was das Wort "Tauern" eigentlich bedeutet. "Tauern", dieses Wort schwirrt hier überall herum, hat dem Gebirge, einigen Häusern, dem Tunnel und dem Bach dieses Tals seinen Namen verliehen. "Tauern", das ist die volkstümliche Bezeichnung der Paßübergänge in dieser Gegend. Und es waren bedeutende Saumpfade, auf denen schon in uralten Zeiten das Vieh über den Berg getrieben wurde. Die Salzburger Fürstbischöfe ließen dann im Hochmittelalter die Tauernhäuser errichten. Sie wollten so den Verkehr und damit den Handel fördern, stärkten dadurch aber natürlich auch ihre politische Präsenz in der Gegend.

Geschichte und Geschichterl haben diese Pässe also geschrieben - lustige und traurige waren es und Tragödien waren natürlich auch dabei, wie die im Jahre 1878: In der Morgenfrühe, bei ungutem Südwind, stiegen im Matreier Tauernhaus 60 Männer und 3 Mädchen auf, um einen großen Viehtrieb hinüberzubringen. 460 Kühe, 40 Kälber, 28 Pferde und 25 Ziegen bildeten auf dem Saumweg eine lange Kolonne, schon beim Anstieg von starken Windböen behindert. Einige Treiber rieten zur Umkehr, die Mehrheit aber meinte, man werde durchkommen. Auf dem Tauern brach aber um die Mittagszeit ein wilder Orkan los. Mit einem wütenden Schneetreiben, daß der Himmel ganz verdunkelt wurde. Bei diesem fürchterlichen Sturm verirrten sich die Treiber und kamen zu weit rechts. Der Sturm wütete mit solcher Gewalt, daß Menschen und Kühe niedergeworfen, die Ziegen wie dürres Laub in die Luft gewirbelt wurden. Unablässig prasselten Hagel und Regen, frischer Schnee nahm alle Sicht. Die Kühe brüllten, Kälber und Ziegen blökten, die Treiber schrien - es ähnelte einem schrecklichen Sturm auf dem Meere. Der Orkan ließ nicht nach. Das Kleinvieh wurde über die Wände herabgestürzt und zerschmettert. Die meisten Treiber ermatteten und einige blieben erschöpft liegen. Der berühmte Bramberger Viehdoktor Georg Kirchner packte einen ermatteten Burschen und trug ihn auf dem Rücken herab. Als er ihn im Drudental niedersetzte, war der Mann bereits tot. Vier Mann aus Windisch Matrei und Virgen sind dabei zugrunde gegangen. Alle wurden in Mittersill beerdigt. Der Schaden dieses Höllentages war enorm: 104 Kühe, Pferde und alle Ziegen gingen drauf. Auf 13000 Gulden wurde der Schaden geschätzt. (...) Nach Bekanntwerden des Unglücks und nach Besserung des Wetters gingen ganze Züge von armen Leuten hinauf mit Buckelkörben und Kraxen, um sich Fleisch zu holen. Seit jener Zeit kommen alle Jahre die Weißkopfgeier vom Balkan herauf und nisten im Felbertal. (Aus Josef Lahnsteiner: Oberpinzgau, von Krimml bis Kaprun).

Das Matreier Tauernhaus, wo diese Tragödie ihren Anfang nahm, das Jahrhunderte lang als Stützpunkt und Zufluchtsort diente, wo Sagen und Geschichten am Wirtshaustisch die Runde machten, ist in unseren Tagen Ausgangspunkt für die Freizeitbeschäftigung Bergsteigen. Der Mensch heute hat eben ganz andere Motive, um in die Berge zu gehen und so beginnt man den langen Weg zum Großvenediger zwar auch unter dem Eindruck der Mächtigkeit dieser wilden Gegend, doch hat dieser Eindruck nichts Bedrückendes für uns, ganz im Gegenteil.

Auf einem Almweg entlang des Tauernbachs (später Gschlößbach) geht es vom Matreier Tauernhaus in dieses Bilderbuchtal hinein. Es so idyllisch, daß es sogar schon für einige Filmaufnahmen herhalten mußte ("Das ewige Lied", Film über das Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" mit Tobias Moretti, Regie und Buch: Franz Xaver Bogner). Und wirklich, die Hütten bei Außergschlöß mit dem Venediger im Hintergrund hätten auch von einem Hollywood-Regisseur nicht schöner in Szene gesetzt werden können, als es die Natur hier macht.

Die herrliche, einzigartige, wilde Umgebung ist es auch, die aus diesem langen Talhatscher ein kurzweiliges Erlebnis macht. Nach etwa 2 Stunden geht es endlich über eine steile Rampe hinauf zum Gletscher.

Wenn man dann auf dem ewigen Eis, der Sonne oder dem Wind schutzlos ausgesetzt ist, dann wird einem bewußt, welche Leistung die Erstbesteigung mit Ski im Jahre 1900 darstellte. 18 Stunden reine Gehzeit war die Bilanz der Skibergsteiger von Saar, Sehring, Graff und Domènigg für den Aufstieg und das alles mit dieser Ausrüstung! Zitat: "Wir fuhren mit norwegischen Schneeschuhen und bewiesen sich dieselben auch diesmal als vortrefflich. Von den Bergschuhen sind wir bei solchen Unternehmungen böser Erfahrung halber gänzlich abgekommen. Fell- und Filzschuhe sind entschieden das Beste und halten bei großer Kälte stets warm. Kommt man in die Lage, harten Firn oder gar Eishänge zu queren, so sind die Steigeisen da, die man selbstverständlich wie Pickel und Seil mitnehmen wird..." (Sehring, Österreichische Alpenzeitung, 1901).

Man kann es kaum glauben, aber die Erstbesteiger (oder Erstbefahrer) des Venedigers hatten trotz ihrer unvergleichlichen Ausrüstung einen Spaß an der Sache, als hätten sie einen Carvingski unter ihren Füßen: "Ein Genuß war es, in langen Kehren und Schlangenwindungen über die obersten Firnbecken des Schlatenkeeses zu Thal zu fahren. Doch 'Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zutheil, rasch brach die Finsternis herein ...'.

Die Vier mußten sich nämlich durch die Dunkelheit zurück zur Schutzhütte kämpfen. Lange hatten sie für Aufstieg und Abfahrt gebraucht und so kehrten sie erst um Mitternacht zur Prager Hütte zurück.

Heute erwartet den Bergsteiger dort mit der Neuen Prager Hütte ein komfortables, großes Haus. 98 Lager und Betten stehen den Alpinisten insgesamt in der bewirtschafteten Zeit zur Verfügung und der Winterraum mit 10 Lagern ist das ganze Jahr geöffnet. Josef Aspetzberger ist ein netter und kompetenter Wirt, der hier oben auf 2.796 Meter Höhe für gutes Essen und gute Atmosphäre sorgt. 1904, also 3 Jahre nach der Erstbesteigung des Großvenedigers mit Ski, wurde die neue Hütte der Münchner Sektion Oberland erbaut.

Nicht nur der Groß- und Kleinvenediger sind hier beliebte, hochalpine Ziele für Skitouren im Frühjahr, sondern auch das Rainer Horn (3.560m) und die Schwarze Wand (3.511m). Die Abfahrt vom Hohen Zaun (3.467m) ist bei guten und vor allem sicheren Verhältnissen ein ganz besonders Erlebnis für alle, die es etwas steiler mögen. Möglichkeiten genug also, um ein verlängertes Wochenende auf der Neuen Prager Hütte zu verbringen. Das Wetter sollte halt unbedingt mitspielen, denn auf den weiten, weißen Gletscherflächen gibt es bei Schlechtwetter nur wenig Orientierungspunkte.

Nach einer Nacht auf 2.796 Meter, in einer Höhe also, in der die Luft und daher auch der Schlaf schon etwas dünner sind, geht es relativ einfach und schnell hinauf auf den Gipfel. Viele verdeckte Spalten säumen den Weg und so sollte das Seil auf jeden Fall zur Ausrüstung gehören bei dieser Tour.

Über einen etwas ausgesetzten, aber meist gut zu begehenden Wächtengrat, steigt man schon bald hinüber zum Hauptgipfel. Wenn man einen sonnigen, windstillen Tag erwischt hat, dann wird man lange hier oben auf der Spitze dieser Firnpyramide verweilen und sich Zeit lassen bei der Brotzeit, denn die Aussicht kann man einfach nur mit gigantisch beschreiben. Vom Wilden Kaiser bis zum Großglockner hat man hier alles wie auf dem Präsentierteller. 

Doch Venedig kann man vom Venediger aus nicht sehen, selbst an ganz klaren Tagen nicht. Und so bleibt es trotz intensiver Nachforschungen bis zum heutigen Tag ungeklärt, warum dieser Gipfel "Großvenediger" heißt. Man hat also hier oben auf 3.674 Meter Höhe viel Raum zum Spekulieren und Phantasieren. Die Säumer aus dem Mittelalter müßte man fragen. Vielleicht hätten Sie Auskunft darüber geben können. Oder kamen gar die ersten von ihnen aus Italien herüber, aus Venedig, um jenseits der Tauern Handel zu treiben oder Arbeit zu finden?

Man weiß es - wie gesagt - bis heute nicht. Und ein paar Geheimnisse darf selbstverständlich auch ein Berg haben, erst recht der geschichtsträchtige Venediger in den Hohen Tauern.

Bernhard Ziegler 

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Last updated: 07. Oktober 2014
 
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